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43. Überregionale Scheckenclub-vergleichsschau am 14./15.10.2017

Ausrichter Scheckenclub Rheinland Nassau

Gesamtkatalog
43. Überregionale
Scheckenclubvergleichs-
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Wir freuen uns über die Wahl zur Homepage des Monats!

letzte Aktualisierung:

15. Dezember 2017

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Rassebeschreibung

Züchterstudie Rheinische Schecken von Werner Winkens

„Alt, gefährdet und von fesselndem züchterischen Reiz!“

Rheinische Schecken sind eine Herausforderung

 

 

Als langjähriger aktiver Scheckenzüchter aus dem Rheinland, der nur 30 Kilometer vom „Geburtsort“ der Rheinischen Schecken wohnt, freut es mich natürlich sehr, diese Rasse vorstellen zu dürfen. Sie zieren wie die anderen Punktscheckenrassen auch das Logo des Scheckenclubs Rheinland

Die Rheinischen Schecken zählen ebenso wie die Deutschen Riesenschecken und Englischen Schecken zu den „alten einheimischen Haustierrassen“ im Sinne des Tierschutzgesetztes. Bezüglich der interessanten Definition verweise ich auf die Homepage des ZDRK. Vereinfacht und zusammengefasst ist hier unter Hinweis auf § 3 Abs.4 des Tierschutzgesetztes beschrieben, dass eine Rasse u.a. einheimisch ist, wenn diese zumindest seit 1949 in einem Zuchtbuch geführt wird. Durch Auflistungen aus den Standards des ZDK, des ZKz, des BDK sowie des Wahls Taschenkalenders von 1943 gelang es nachzuweisen, dass immerhin 29 Kaninchenrassen in diese Rubrik einzustufen sind. Durch den Beitritt zum Nationalen Fachprogramm „Tiergenetische Ressourcen“ und der damit auch verbundenen Anerkennung der Regularien für die Gefährdungsabschätzung von Nutztierpopulationen eröffnen sich natürlich beim Umgang und bei Verhandlungen mit Behörden (neue) Möglichkeiten. Wurde anfänglich zumindest an der Basis der Züchter über den Sinn und die Bedeutung der seit 2004 durchgeführten Zuchttierbestandserfassungen diskutiert, ist es den Verantwortlichen meines Erachtens längst gelungen, über die interessanten Auswertungen und Analysen Daten zu liefern und auch zuchtlenkende Maßnahmen zu ergreifen. „Arterhaltung der Rassekaninchen unter Beachtung ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit…“ ist heute einer der herauszuhebenden Verbandszwecke, der in § 3 der ZDRK-Satzung festgeschriebene ist!

So wissen wir heute aufgrund der Bestandserfassung 2012, dass sich zurzeit von 44 974 Zuchten im ZDRK nur 213 (rd. 0,5 %) mit Rheinischen Schecken befassen, 1327 Zuchttiere eingesetzt (ZDRK 215.063) waren und 4.990 Jungtiere (ZDRK 758.063) gezogen wurden. Aufgrund der zuvor beschriebenen „Einbettung des ZDRK in tierschutzrechtlichen Vorschriften“ war es deshalb auch möglich, dass Kaninchenrassen auch in die „Rote Liste“ der gefährdeten Haustierrassen aufgenommen werden konnten. Diese Liste wird von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrasen e.V. geführt. So gelang es jüngst dem ZDRK durch entsprechende Nachweise aus den Bestanderhebungen, das entsprechende Gefährdungspotential nachzuweisen. Zu den 8 dort geführten Kaninchenrassen zählen auch die Rheinischen Schecken.

Wie ist die Rasse entstanden?

Während in Frankreich schon im Mittelalter Kaninchen vornehmlich auf Burgen und in Klostergärten und später auch in Großviehställen gehalten wurden, bedurfte es in Deutschland des Deutsch-Französischen Krieges, dass Soldaten bei ihrer Heimkehr 1870 die Qualität des Kaninchenfleisches anpriesen. Daraufhin begann man begann schließlich auch für die Kaninchen eigene Ställe zu bauen. Die Einzeltierhaltung war letztlich der Einstieg in die gezielte Vermehrung, Leistungssteigerung und bewusste Selektion nach Gewicht, Farbe, Haarlänge und -struktur. So fand bereits 1874 die erste Kaninchenausstellung in Bremen statt. Das Interesse an der Zucht wuchs und am 12.04.1880 wurde der erste Kaninchenzuchtverein in Chemnitz gegründet. Aufgrund der Grenznähe zu Belgien und Frankreich waren in der linksrheinischen Region (im heutigen Landesverband Rheinland) Importtiere der grau gefleckten belgischen Landkaninchen und französische Papillons keine Seltenheit. So war es kein Zufall, dass 1902 mitten im Zentrum dieses Verbreitungsgebietes, in Grevenbroich (unweit zwischen Düsseldorf und Mönchengladbach), eine zwar rasselose aber graugescheckte Häsin von einem Rammler des Japanerzüchters Josef Heintz gedeckt wurde.
Doch nun lesen Sie die "Originalbeschreibung".

Rheinische Schecke aus den Anfängen der Zucht zwischen 1902 und 1905

Nach vier Generationen stellte Heintz seine neue Scheckenrasse -benannt nach seiner rheinischen Heimat- den Delegierten des Westdeutschen Verbandes vor und erlangte 1905 die Anerkennung. Die Rasse verbreitete sich schnell nach Ausstellungen vorwiegend im Westdeutschen Verband. Anfänglich lies die Rassebeschreibung ein großes Spektrum zu. Beispielsweise war die Kettenzeichnung ebenso zugelassen wie zusammenhängende Punkte. „Blanknasige“ Tiere waren Tieren mit Schmetterling gleichgestellt. Das war letztlich nicht zielführend, so dass noch vor dem Ersten Weltkrieg das einheitliche Zuchtziel in der Zeichnung nach dem Vorbild der Deutschen Riesenschecken von allen Verbänden vorgegeben wurde. Das tat der Rasse gut. Vor allem die Zeichnung entwickelte und stabilisierte sich nach dem jähen Einbruch im Ersten Weltkrieg rasant, was sicher auch der Gründung von Clubs und der Vereinigung der Rheinischen Scheckenzüchterclubs zu verdanken war.

 

Die Bewertung einer Rheinischen Schecke stellt vor allem aufgrund der vielen Kriterien im Rassewert hohe Ansprüche an die Preisrichter; hier im Bild auf der Überregionalen Scheckenclubvergleichsschau 2011 in Monschau Preisrichter Bernd Schückle mit Hilfsrichter Erik Büscher.



Der Bewertungstisch mit individuellem „Logo“ von einem „Altmeister der Rheinischen Schecken“ Dieter Kaufeld.

Leider ist praktisch nichts Konkretes über den schwierigen Weg der Rasse zwischen den Weltkriegen bekannt und da die RSch von der Reichsfachgruppe nicht als Wirtschaftrasse eingestuft war, konnte keine offizielle Weiterzucht erfolgen. Dennoch kam es nach den Kriegswirren zum „Aufleben“ der Rasse aus Restbeständen. Heinz Öhrlich aus Bonndorf, der heute noch bei guter Gesundheit aktiv die Rasse züchtet, war ein Mann dieser „ersten Stunden“, ebenso wie Heinz Öhlmann, Ottokar Drechsler und der 2011 verstorbene, sehr beliebte Paul Osterbrink aus Westfalen, der noch einen Monat vor seinem Tod im Kreise seiner Zuchtfreunde an der Überregionalen Scheckenclubvergleichsschau in Monschau teilnahm. Auch hohe Funktionäre wie Walter Kölz und Erich Bergfeld waren vom „Scheckenvirus“ infiziert. Erst recht galt dies in den 70iger und 80iger Jahren für Ferdi Wagner aus Essen, der als Vorsitzender des damaligen Scheckenclubs Mühlheim-Ruhr mit dem Scheckenclub Hessen-Nassau 1974 „Vater der Überregionalen Clubvergleichsschauen“ wurde. Dieter Kaufeld und Jürgen Beckmann waren lange Spitzenzüchter dieser Rasse bis später unter anderem Jens Jadischke in deren Fußstapfen trat. Heute gibt es trotz der relativ wenigen Zuchten aber auffallend viele junge aktive und sehr engagierte Züchter, so dass ich trotz der Einstufung in die „Rote Liste“ keine Angst um den Fortbestand dieser Rasse habe. Jene Züchterfreunde sind getragen von den Versen, die einst Josef Heintz der Rasse mit auf den Weg gab:                

Bild 1

 

 

„Rheinische Schecke wurde ich getauft in Ehren; 
 Wer kann, als deutsches Zuchtprodukt, mir dieses wehren? 
 Ein Farbtier bin ich, des` Schönheit nie vergeht. 
 Auf weißem Grund die schwarz und gelbe Zeichnung steht. 
 Und es ist mir bewußt, daß von den Rassen allen 
 ich dir, o Richter, einst am besten werd` gefallen.“

Bild 2

 


Auf Bild 1 und Bild 2 sind die beiden Siegertiere der Rheinischen Schecken auf den letzten zwei rheinischen Landesverbandsschauen zu sehen, beide Tiere 97 Punkte, Züchter Michael Finken, Jüchen

Standard und Zuchtstand

Gewicht:

Die mittelgroße Rasse hat Normalgewicht in der Spanne von über 3,75 bis 4,5 kg. Diese Spanne sieht man auch in der Praxis auf den Ausstellungen. Mehrheitlich liegen die Ausstellungstiere m.E. zumindest in den Spitzenzuchten im oberen Bereich, was auch züchterisch geboten ist. Sie sind leistungsstark, entwickeln sich gut und erreichen oftmals das untere Normalgewicht schon mit gut 6 Monaten. Insbesondere bei Häsinnen besteht die Tendenz, die 4,5 kg zu überschreiten. Dann weniger zu füttern, ist in der Regel fatal. Ich meine, dass für den gewünschten Rassetyp die „Grenzen des Wachstums“ auch im Gewicht erreicht sind.

Körperform, Typ und Bau:

Der Gesamteindruck der körperlichen Merkmale hat sich im Laufe der letzten 10/20 Jahre gewaltig verändert. Sah man früher überwiegend Tiere mit eckigen Hinterpartien, nach vorne recht stark verjüngtem Rumpf, dünne Läufen und faltige Ohren, gehören diese Tiere -zumindest in den heutigen Spitzenzuchten - der Vergangenheit an. Wie ich schon bei der Beschreibung des Gewichtes andeutete, gibt es allerdings bei der Rumpfbreite meines Erachtens schon vereinzelt deutliche Übertreibungen. Hätten jene Tiere keine Zeichnung, könnte man sie fast mit Weißen Neuseeländern vergleichen. Das entspricht nicht dem eindeutig beschrieben und gewünschten Typen: „Der Körper ist leicht gesteckt und walzenförmig…“ Ob Riesenschecken oder Rheinischen Schecken… die Harmonie zwischen Zeichnung und Körper kann nur mit einer gewissen Streckung und Eleganz erreicht werden. Dazu gehören auch mittellange recht kräftige Läufe, die erst die Möglichkeit einer guten Stellung eröffnen. Ein Tier ohne Stellung ist meines Erachtens überhaupt nicht bewertungsfähig. Bei den Schecken kommt hinzu, dass bei einem gekauert und zusammengezogenen sitzendem Tier oftmals die Zeichnungsmerkmale und in erster Linie die Backenpunkte viel dichter an den Augenringen zu stehen scheinen, als bei Tieren, die eine schöne Stellung zeigen. Bei den Englischen Schecken kommt hinzu, dass die mehrreihig punktierte und leicht gewölbt angeordnete Kettenzeichnung ansonsten überhaupt nicht zu erkennen ist und sich fast auf einer Linie mit den Seitenflecken befindet. Doch nun zurück zu den RhSch. Bei der Ohrstruktur sieht man in manchen Zuchtlinien wirklich tadellose Tiere, wobei 11 bis 12 cm zum Größenrahmen passen. Geht man auf einer Großschau an den Tierreihen vorbei, fallen hier ebenso noch große Unterschiede auf wie bei der Festigkeit des Brustfells und der Wammenbildung bei Häsinnen. Es steht zwar im Standard, dass bei älteren Häsinnen eine kleine, gut geformte Wamme zulässig ist. Der züchterische Fortschritt beweist aber, dass diese vermeidbar ist. Kräftige und kurz am Körper angesetzt Köpfte sind standardgemäß gut weit verbreitet.
  

Das Fellhaar:

Zwei kleine Sätze genügen, um im Standard die Position drei zu beschreiben: „Das Fellhaar ist dicht, gleichmäßig, aber nicht zu lang begrannt. Die Ohren sind gut behaart.“ Ach, wäre das nur so einfach oder nur so schnell zu erreichen, wie man diese Sätze liest. Früher sah man häufig „dünne“, lange Felle mit wenig Unterhaar und vor allem auch langes überstehendes Grannenhaar. Solches Haar bot überhaupt keine vernünftige Voraussetzung, Träger von übergangslos gewünschten Zeichnungsmerkmalen zu sein. Lange Grannen lassen Zeichnung und Farbe verblassen! Das haben längst viele Züchter erkannt und in einigen Stämmen in ganz hervorragendem Maße umgesetzt. Diejenigen, die noch hinterherhinken, sollten aber erkennen, dass man bei einer Scheckenrasse mit gutem Fell „zwei Fliegen mit einer Klappe erschlägt“. Die Länge des Deckhaares wird im Standard nicht festgelegt, sollte bei einem Tier von 4,5 kg knapp 3 cm nicht überschreiten. Im Gewebe kräftige Ohrstrukturen bewirken schon optisch eine bessere und gleichmäßigere Behaarung, während man bei faltigen Ohren regelmäßig „im Knick“ die Fellhaut sieht und deshalb auch schon auf eine mangelnde Behaarung schließt.

Die Kopfzeichnung:

Die Standardanforderungen an die Kopfzeichnung sind bei allen Punktscheckenrassen gleich und wurden deshalb auch schon oft in Rassebeiträgen zitiert. Deshalb möchte ich nur auf einige Feinheiten, den Zuchtstand und die Bewertungspraxis eingehen. Tiere mit feinen Augenringen haben in der Regel auch kleine Backenpunkte. Damit sind sie weit entfernt vom schweren Fehler des am Augenring anhängenden Backenpunktes. Diese Tiere neigen aber in der Regel auch dazu, eine kleine Zacke am Augenring (in Höhe der Stirn) zu haben. Das ist kein Fehler und hat nichts mit dem n.b-Fehler „nicht geschlossener Augenring“ zu tun. Leicht gezeichnete Tiere haben in der Regel auch einen etwas höher liegenden Farbansatz an der Ohrwurzel und sind fast immer im Rumpf leichter gezeichnet. Es sind eigentlich die Tiere, die wir züchterisch haben wollen. Aber Vorsicht! Züchtet man über Generation mit „leichten Tieren“ treten immer häufiger Durchsetzungen auf und man „verliert Farbe“. Deshalb ist es geboten, immer wieder einmal ein „stark“ gezeichnetes Tiere einzupaaren. Die beidseitig erwünschte Unterkiefereinfassung (einseitig leichter Fehler, beidseitig fehlend n.b.) bereitet hier und da immer noch Probleme. Aus eigener Erfahrung ist mir bekannt, dass man dieses Merkmal im positiven Sinne auch stark in einer Linie festigen kann. Bei hellgelber Zeichnungsfarbe ist die sehr schmale Einfassung auch noch sehr schwer zu erkennen. Manche Züchter sagen: „Ist doch noch (schmal) eingefasst und damit nicht zu ahnden!“ Sie haben Recht. Der Standard unterscheidet nicht zwischen schmal und ideal, was bei der Grundfarbe in der Breite einer Bleistiftbreite entsprechen sollte. Ich kann nur dazu raten, über Generationen Tiere mit dem „Idealmerkmal“ einzusetzen! Der Dorn lässt auch viele Variationen zu. Klein, groß, flach und spitz sind nur einige Varianten. Ich möchte keine Länge oder Breite vorgeben, sage nur, dass er nach der Standardforderung abgerundet sein soll. Meines Erachtens orientiert sich die Größe wesentlich an der „Größe“ der restlichen Zeichnung. Habe ich ein Tier mit etwas groben Augenringen und Backenpunkten, fällt ein „normaler“ Dorn eher auf als ein etwas stark ausgeprägter. Meines Erachtens sollte er zum übrigen Zeichnungsbild passen. Vom Dorn („dem Rumpf unseres Schmetterlings, der durch den Garten fliegt“) erstrecken sich die vollen Flügel über den Nasenbereich. Oft sieht man Tiere, bei denen sich rechts und links vom Dorn der Schmetterling waagerecht fortsetzt... Das ist nicht erwünscht! Ein Flügel ist gebogen, es muss eine Wölbung vorhanden sein! Als letzten Punkt möchte die letzte Standardänderung im Bereich der Kopfzeichnung ansprechen und hervorheben. Im Standard 2004 war noch zu lesen, dass die Ohrenzeichnung an der Wurzel scharf abgegrenzt sein sollte. 90 % aller Schecken besitzen aber auf der Stirnmitte im Übergang zur Ohrenzeichnung einen kleinen Ausläufer in der jeweiligen Zeichnungsfarbe. Damit waren fast alle Tiere nicht „scharf abgegrenzt“, so dass im Rahmen des Schaufertigmachens das kleine Büschel vielfach entfernt wurde. Warum eigentlich, wenn die Natur das in der Regel so vorgibt? Mit dieser Argumentation wurde der Standardtext wie folgt geändert: „Die Ohrenzeichnung ist an der Ohrwurzel übergangslos abgegrenzt; ein kleiner Ausläufer der Ohrenzeichnung in der Stirnmitte bleibt unberücksichtigt.“ Dies scheint leider irgendwie noch nicht bei allen Preisrichtern angekommen zu sein. Züchterisch sehr problematisch sind die „Flammen“, mehr oder weniger stark ausgeprägte Spiegel, die sich seitlich von der Grundfarbe des Kopfes in die Ohrenzeichnung ziehen. Jene Tiere gehören nicht in die Zucht. Ungeachtet der o.a. Ausführungen zum Fehlerpotential, muss man unstreitig aber auch festhalten, dass in den Spitzenzuchten sehr gute Kopfzeichnungen stark genetisch gefestigt sind und im Niveau deutlich besser und einheitlicher sind als die Rumpfzeichnungen. Kaum ein Spitzenzüchter wird heute ein Tier mit auch nur einem leichten Fehler in der Kopfzeichnung ausstellen… es sei denn, das Tier hat eine absolut traumhafte Rumpfzeichnung (und die gibt es nur sehr sehr selten). Auch Züchter, deren Tiere insgesamt betrachtet noch nicht so gut sind, zeigen in der Regel das beste Merkmal in der Kopfzeichnung. Deshalb müsste diese auch die Top-Position in der Scheckenzucht sein und deutlich über der Rumpfzeichnung liegen. Geht man an den Käfigreihen vorbei, hat man manchmal den Eindruck, als dürfe keine 15 vergeben werden und die Tiere werden mit 14/14 „durchgezogen“. Ich bitte dies nicht als „Preisrichterschelte“ zu verstehen, sondern als Denkanstoß. Ich möchte auch die Punktezahl keineswegs noch weiter nach oben treiben, meine aber, dass der in der Kopfzeichnung zu wenig vergebene Punkt oder halbe Punkt, bei vielen Tieren eher in der Rumpfzeichnung zu viel vergeben wird. Hier ist die Streuung sehr viel größer!

Kopfstudie Bild 1 und Bild 2: Hervorragende Zeichnungsmerkmale. Vor allem der schmale und gleichmäßige Augenring und ganz toll der tief liegende Backenpunkt.

Kopfstudie Bild 3: „Ungleichmäßger Augenringe“….oder… wie die Scheckenzüchter sagen „ Ausläufer am Augenring“ 

Kopfstudie Bild 4: Etwas große und ungleichmäßige Augenringe mit….. „Ausläufer“

Kopfstudie Bild 5: Anhängender Backenpunkt, leider n.b.

Kopfstudie Bild 6: Unschöner Dorn (etwas breit)

Kopfstudie Bild 7: Der ausdrücklich zugelassene „kleine Ausläufer am Ohrenansatz“ und ein schön abgerundeter Dorn.

Die Rumpfzeichnung:

Obwohl wie bei allen Rassen bei ihrer Entstehung anfänglich über bestimmte Merkmale diskutiert und teilweise auch kontrovers gezüchtet wurde, ist eigentlich von Anfang an das Zeichnungsbild der älteren Riesenschecken das Vorbild der RSch. Die Rumpfzeichnung erweist sich jedoch bei allen Punktscheckenrassen als das schwierigste Rassemerkmal. 15er-Seite mal 15er-Seite ist weniger Garant für gute Seiten als den Versuch, durch die Einpaarung von zwei Tieren mit vorzüglichem Fellhaar, die Struktur zu verbessern. Dadurch sollte man sich aber nicht entmutigen lassen, denn „steter Tropfen höhlt den Stein“. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass man auch in diesem Merkmal über Jahre Stabilisierungen vornehmen kann. Die Rumpfzeichnung wird durch zwei Merkmale gebildet, den Aalstrich und die Seitenflecken. Um den Aalstrich zu beschreiben stelle man sich nur den entsprechenden Fisch vor. Er ist schmal und über die gesamte Länge gleichmäßig breit. Andere Autoren fordern auch den Aalstrich in Form eines Pinselstrichs. Mit beiden Vergleichen ist er auch schon exakt beschrieben. Zacken und ungleichmäßige Breiten müssten demzufolge fehlerhaft sein. Es ist so! Hierbei handelt es sich allerdings nur um einen leichten Fehler. Zu der im Standard angegebenen Breite von etwa 2 cm ist anzumerken, dass etwas grob gezeichnete Tiere fast immer breitere und sehr leicht gezeichnete Tiere auch schmalere Aalstriche haben. M.E. kommt es deshalb auch überwiegend auf die „Gleichmäßigkeit“ an. Weitere leichte Fehler des Aalstriches sind die Unterbrechung vom Genick bis zu den Schulterblättern und vom Ansatz der Blume bis zur hochgelegten Blumenspitze. Ich persönlich habe kein Verständnis dafür, dass dies nur ein leichter Fehler sein soll, weil solche Tiere eigentlich überhaupt nicht mehr ausgestellt werden und nur geraten werden kann, solche Tiere auf keinen Fall zur Zucht einzusetzen. Dies gilt in gleicher Weise für Tiere mit dem n.b-Kriterium der Unterbrechung des Aalstriches zwischen Schulterblättern und hochgelegter Blumenspitze. Kommen wir nun zu den Seitenflecken, die beidseitig gleichmäßig, nicht zu groß, untereinander freistehend auf den Schenkeln und Flanken in einer Anzahl von je 6 – 8 verteilt sein sollen. Was steckt in diesen wenigen Worten für ein Sprengstoff und vor allem was für ein gewaltiger Ermessensspielraum für den Preisrichter! Wenn man diese Kriterien Wort für Wort streng anwendet und dann anfängt zu suchen, ob nicht doch ein Punkt etwas aus der Schablone liegt oder der 7. mit dem 8. Punkt leicht zusammenhängt, würde man bei der Position nie eine 15 bekommen und auch die 14,5 hätte große Seltenheit. Ich erinnere mich hier an den Rassebeitrag von Jens Jadischke in der Ausgabe der Kaninchenzeitung 12/2012. Er beschrieb eine Erfahrung während seiner Hilfsrichtertätigkeit: „Mir wurde erklärt, dass dieses Tier zwar auf jeder Seite sieben Zeichnungspunkte hätte, diese aber nicht 100%ig gegenüberliegen würden und es damals die Bemerkung >>ungleiche Seitenzeichnung<< gegeben habe.“ In der züchterischen Praxis sieht man weitaus häufiger Tiere, die weniger oder mehr als die erwünschten Zeichnungspunkte haben, wobei weniger als drei Seitenflecken auf einer Seite einen schweren Fehler darstellen. Die geringe Zahl ist häufig darauf zurückzuführen, dass etwas grobe Flecken oft leicht zusammenhängen und dann rein rechnerisch nur einen Flecken darstellen. Sind wir einmal beim Rechnen, sei an dieser Stelle vor allem für Leser, die die Rasse nicht so genau kennen, darauf hingewiesen, dass ein Seitenfleck in 2 Farben auch nur als ein Fleck gilt. Vergessen möchte ich nicht die gelegentlich vorkommenden Kettenpunkte. Sie gelten als leichter Fehler, wenn ein Kettenpunk ein- oder beidseitig vorhanden ist. Dagegen ist es ein schwerer Fehler, wenn mehr als zwei Kettenpunkt auf einer Seite vorhanden sind. Dann kennen wir in der Scheckenzucht noch den Genickpunkt, der vom Kettenpunkt unterschieden werden muss. Der Standard definiert, dass ein Genickpunkt ein solcher ist, der weniger als 2 cm vom Aalstrich entfernt liegt. Solche Genickpunkte gelten nicht als Kettenpunkt. Insbesondere bei etwas stärker gezeichneten Tieren kommt es nicht selten vor, dass die Seitenzeichnung am Aalstrich leicht anhängt. Dies ist ein leichter Fehler während die stark anhängende Seitenzeichnung ein schwerer Fehler ist. Die im Standard noch bei den schweren Fehlern definierte Sattel- und Mantelzeichnung gehört m.E. der Vergangenheit an. Ich habe ein solches Tier zumindest auf einer Schau noch nie gesehen. Der Vollständigkeit halber muss abschließend noch darauf hingewiesen werden, dass das Fehlen eines Zeichnungsmerkmals natürlich auch zum Ausschluss führt. Bis zur Ausstellung sollte ein solches Tier m.E. jedoch nicht kommen… zumindest nicht bei einem ernsthaften Züchter, der sich mit seinen Tieren befasst und seine Tiere auch dem ein oder anderen Züchterfreund im Laufe des Jahres präsentiert. Ein häufig vorkommendes Merkmal sind Flecken an der Brust, am Bauch, an den Läufen und an der Unterseite der Blume. Sie stören m.E. zwar das Zeichnungsbild, bleiben aber unberücksichtigt.

Bild 1: 3 Jungrammler des Zuchtjahres 2013 von Michael Finken, Jüchen, die in Kopfzeichnung und Farbverteilung hohen Ansprüchen genügen sollten. 

Bild 2: … Die gleichen Rammler in der Rückenansicht. Man sieht deutlich die gleichmäßige Breite des Aalstriches, keine anliegenden Seitenflecke und eine prima Farbe. 

Bild 3: Ungleich breiter Aalstrich mit anhängenden Seitenflecken… bei guter Farbe.

Bild 4: 2 Jungtiere mit einerseits deutlich zusammenhängenden Seitenflecken und andererseits schwacher Seitenzeichnung.

Bild 5: Etwas große Seitenflecken allerdings mit hervorragender Farbverteilung.

Die Farbe:

Die Grundfarbe ist in der Deck- und Unterfarbe reinweiß. Die Zeichnungsfarben schwarz und gelb müssen in allen Zeichnungsmerkmalen mit Ausnahme der Backenpunkte vorhanden sein. Dies „Mehrfarbigkeit“ stellt einerseits den besonderen Reiz und andererseits jedoch auch die besondere Schwierigkeit dieser Punktscheckenrasse dar. Dabei müssen die Zeichnungsfarben schwarz und gelb in allen Zeichnungsmerkmalen mit Ausnahme der Backenpunkte vorhanden und möglichst frei von andersfarbigen Haaren sein. Oftmals ist es so, dass zwar beide Farben vorhanden sind, dann aber eine Zeichnungsfarbe deutlich vorherrscht. Man spricht dann etwas hellen bzw. etwas dunklen Tieren. Beim Betrachten der Tiere mit einem gewissen Abstand und vor allem auch im Vergleich mit anderen erkennt man diese Farbunterschiede recht deutlich. Ich würde sagen, dass der überwiegende Teil der ausgestellten Tiere eine prima Farbverteilung hat, wobei die Verteilung nicht 50 zu 50 sein muss… auch nicht bei einem vorzüglichen Farbentier! Mehr Probleme bereitet da schon die „Reinheit“ der Zeichnungsfarbe. Unreine oder leicht mit weißen Haaren durchsetzte Zeichnungsmerkmale sind ein leichter Fehler. Davon oft betroffen sind die Ohrränder und die Blumenoberseite. Bei der Beurteilung der Durchsetzung ist es fatal, darauf zu hoffen, dass diese vom Preisrichter nicht erkannt wird, weil zumindest leichte Durchsetzungen in der gelben Zeichnungsfarbe recht schwer zu erkennen sind. Ich kann nur jedem raten mit Durchsetzungen so umzugehen, als bestünden sie bei schwarz-weißen Tieren. Starke Durchsetzungen führen natürlich zum Ausschluss, ebenso wie das Fehlen einer Zeichnungsfarbe im Schmetterling, in den Augenringen oder der Ohrenzeichnung. Auch das Fehlen einer Zeichnungsfarbe im Aalstrich oder das Fehlen einer Zeichnungsfarbe auf einer Seite führt zum n.b. wobei letzterer Fehler nicht so ganz selten ist. Ein oft diskutiertes Kapitel sind die kleinen weißen Flecken in der Zeichnungsfarbe. Sie bleiben im Genick und im Aalstrich vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter sowie im Bereich der Blume bis zur hochgelegten Blumenspitze unberücksichtigt. Dagegen sind kleine weiße Flecken in den Seitenzeichnungspunkten und/oder in den Augenringen im Bereich des Augenringzackens leichte Fehler. Weiße Flecken im Schmetterling, im Augenring (außer im Bereich des Zacken), in der Ohrenfarbe oder im Aalstrich (außer im Bereich der Schulterblätter und Blume) bilden schwere Fehler. Unstreitig ist, dass derartige mehr oder weniger kleine weiße Flecken das Zeichnungsbild stören, so dass diese recht häufig beim Schaufertigmachen entfernt werden. Hierauf werde ich später noch eingehen. Nicht spaßen sollte man mit dem fleischfarbenen Lippenspalt obwohl er nur er ist „nur“ ein leichter Fehler ist. Die Abstufung zum weißen Lippenspalt bei ansonsten matter und heller Zeichnungsfarbe ist allerdings nicht weit! Zu guter Letzt sind wir wieder bei den Zeichnungsfarben. Ich finde es eigentlich schade, dass nur die Grundfarbe in reinweiß etwas detaillierter beschrieben wird. Klar ist auch, dass schwacher Glanz in allen drei Farben ein Indikator für fehlende Vitalität und Kondition des Tieres ist. Aber was ist mit „gelb“ gemeint? Die Streuung ist sehr groß und so sitzen neben „hellgelben“, „sattgelbe“, aber auch zunehmend „gelbrote“ bis „gelbbraune“ Tiere. Gerade solche Tiere werden häufig bevorzugt, weil sie eben „satte“ Farben zeigen, die bei vielen Rassen ausdrücklich erwünscht sind. Die Farbe wäre nicht vollständig beschrieben, wenn nicht ausgeführt würde, dass die Augen braun und die Krallen pigmentlos sind.

4 Jungtiere, sie sich vom Typ und der Kopfzeichnung sehen lassen können. Dennoch zeigen sie farblich und in der Seite deutliche Unterschiede: Bild 1… etwas schwache Seite, Bild 2… leichte und dennoch etwas zusammenhängende Seitenflecken, Bild 3… in allen Belangen hochfeines Jungtier mit herausragender Farbverteilung, Bild 4…bei diesem Jungtier überwiegt die gelbe Farbe, dennoch sind beide Farben in den Zeichnungsmerkmalen vorhanden.

Eine schwierige und problematische Rasse?

In vielen Rassebeiträgen werden Scheckenrassen als sehr schwierig zu züchtenden bezeichnet. Diese Auffassung kann ich nur bedingt teilen. Jede Rasse ist „schwierig“. Es kommt „nur“ darauf an, auf welchen Ausstellungen ich auf welchem Niveau ausstellen möchte und mit welcher Vorbereitung, Sorgfalt und Umsicht ich mir bei welchen Züchtern die Ausgangstiere besorgt habe. Die Schwierigkeit wird in der Regel damit begründet, dass die Punktschecken „spalterbig“ sind. Sie tragen das unvollständig dominante Allel K. Unsere „Aussteller“, die Typenschecken, tragen von einem Elternteil den Faktor für die Nichtscheckung (bezeichnet mit k) und vom anderen Elterntier den Faktor für die Scheckung (bezeichnet mit K). Nach den von Mendel aufgestellten Gesetzmäßigkeiten der Vererbungslehre, fallen bei der Verpaarung von zwei Typenschecken 50 % Typenschecken (Kk), 25 % Chaplins (KK) und 25 % japanerfarbige Tiere (kk). In der Praxis ist die Variationsbreite natürlich größer. Über einen langen Zeitraum betrachtet, muss man diese „Quoten“ aber bestätigen. Die Chaplins oder Weißlinge zeigen in der Regel keine oder sehr wenig Seitenzeichnung, schmale oder unterbrochene Aalstriche und unvollständige Kopfzeichnung… und um es auf einen Nenner zu bringen, sehr wenig Farbe. Die so genannten Chaplins sind wissenschaftlich erwiesen mit einem Letalfaktor (Sterblichkeitsfaktor) behaftet. Konkret zeigen diese Tiere häufiger Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und der Nebennierenrinde. Aus der züchterischen Praxis heraus ist allerdings bekannt, dass längst nicht bei allen Chaplins die Lebenserwartung eingeschränkt ist. Aus eigener Erfahrung und aus Gesprächen mit Züchtern glaube ich sagen zu können, dass je mehr Zeichnungsmerkmale vorhanden ist, die Immunität größer ist. Auch bin ich sicher, dass es diesbezüglich einen direkten Zusammenhang mit der Vitalität der Zuchtlinie und der Qualität der Fütterungen und den allgemeinen Haltungsbedingungen gibt. Ungeachtet dessen lassen sich Chaplins auch züchterisch vermeiden. Bei der Verpaarung eines Typenschecken mit einem japanerfarbigen Tier fallen je 50 % reinerbige Typen und Japaner und keine Chaplins. Ausgehend von der Tatsache, dass in der züchterischen Praxis Chaplins relativ unproblematisch die Zuchtreife erreichen, kann man diese auch mit einem Japaner verpaaren und erhält statistisch gesehen sogar 100 % Typenschecken. Damit sind sogar drei mögliche Zuchtvariationen aufgezählt, die in der Scheckenzucht möglich sind. An dieser Stelle muss man die Frage aufwerfen, warum Chaplins in der Scheckenzucht so kritisch gesehen werden. In der Natur gibt es auch Chaplins, gibt es auch Schwächlinge und Kümmerlinge, die keine oder nur sehr eingeschränkte Lebenschancen haben. Regelmäßig sind Albinos Publikumsmagnete in Zoos. In Las Vegas erlangten „Siegried und Roy“ Weltruhm mit ihren weißen Tigern. Doch kommen wir schnell zurück nach Deutschland und betrachten die hiesige Gesetzgebung. Am 01.06.1998 trat ein überarbeitetes Tierschutzgesetz mit dem für uns so wichtigen §§ 11b in Kraft. Dieser besagt, dass es verboten ist, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei deren Nachkommen Leiden auftreten. Man stützte sich dabei auf ein Gutachten einer Sachverständigengruppe, in dem u.a. auch ausdrücklich Punktschecken aufgeführt waren. Es wurde vom ZDK in Abstimmung mit dem Ministerium die Zuchtempfehlung ausgesprochen, künftig nur noch heterozygote Typenschecken mit einfarbigen Tieren zu verpaaren. Diese Zuchtempfehlung gilt im Übrigen heute noch! Gleichzeitig wurde den Vereinen und Clubs auferlegt, ein entsprechendes Nachweisverfahren bis Ende 2003 zu führen. Als Geschäftsführer des Scheckenclubs Rheinland kann ich mich noch genau daran erinnern, wie laut ursprünglich der „Aufschrei“ der Züchter war. Die Wogen glätteten sich aber rasch mit Vorlage der „Meldungen zum Zuchtbuch“ an den ZDK-Vorstand. Seitdem sind über 10 Jahre vergangen, in dem die Züchter -so denke ich- nach einem der drei von mir beschriebenen Verfahren weiter gezüchtet haben. Diejenigen, die sich streng in allen Jahren an die Empfehlung gehalten haben, dürften heute „Typentiere mit einer Plattenscheckung“ haben, die nach dem heutigen Standard nicht konkurrenzfähig sind. Züchter, die sich ebenfalls nicht ständig an die Empfehlung gehalten haben und mit Chaplins und einfarbigen Tieren gezüchtet haben, dürften zumindest vorübergehend -aber nur so lange der längst lebende Chaplin zuchttauglich ist- nicht gegen § 11b Tierschutzgesetz verstoßen haben, da sie keine Zucht betrieben haben, bei der man bei den Nachkommen fehlende oder eingeschränkte Lebensqualität erwarten kann. Es fallen ja nur zu 100 % Typenschecken. Aber… dass dürfte nach über 10 Jahren auch ein natürliches Ende gefunden haben, weil heute kein Chaplin mehr auf dem „Markt“ sein sollte. Und wenn doch, teile ich die Auffassung von Henry Majaura (Kaninchenzeitung 9/2012) voll und ganz. Das wäre -mit meinen Worten- keine planmäßige Rassekaninchenzucht sondern ein waghalsiges Lotteriespiel und auf jeden Fall nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt.

Wenn man als Zwischentitel auch das Wort „problematische“ Rasse wählt, kommt man leider nicht umhin, auch ein paar Sätze über das „Schaufertigmachen“ zu verlieren, weil gerade die Scheckenzüchter im Verdacht -oder sollte ich gar sagen- im Verruf stehen, gelegentlich zu übertreiben. Schecken haben nun mal die Eigenart, dass überstehende Grannen die Kontraste und Abgrenzungen zwischen Grund- und Zeichnungsfarbe „verschwimmen“ lassen und das immer wieder unerwünschte, kleine Punkte außerhalb der erwünschten Zeichnungsschablonen stehen. Insbesondere Letztere werden längst nicht von allen Scheckenzüchtern -aber doch vielfach- im Rahmen des Schaufertigmachens mit der Pinzette entfernt. Das macht beispielsweise der Alaskazüchter auch nicht anders als der Scheckenzüchter. Nur stellt sich die Frage, wo die Grenze liegt. Dies beantwortet meines Erachtens eindeutig der Standard bei der Beschreibung der schweren Fehler beim Fellhaar. Dort ist zu lesen, dass sichtbare Kahlstellen, die von den umstehenden Haaren nicht mehr bedeckt werden, schwere Fehler sind, die das Werturteil „nicht befriedigend“ erfüllen. Dies ist so eindeutig, dass meines Erachtens dem Grunde nach überhaupt keine Diskussion angesagt ist. Entweder diskutieren hier Züchter, die den Standard nicht kennen, nicht in der Lage sind, oder sich nicht die Zeit nehmen, Tiere standardgerecht schaufertig zu machen! Dennoch gibt es einen zulässigen Diskussionspunkt, der allerdings gelegentlich die Preisrichter betrifft. Ich glaube nicht, dass es angebracht ist, durch gezieltes Blasen ins Fell oder „Verschiebung“ des Deckhaares mittels Kugelschreiber nach Kahlstellen zu suchen. Wenn allerdings bei der normalen Betrachtungsweise, also beim Ansehen eines Tieres schon „Löcher“ in der Haarstruktur auffallen, gibt es meines Erachtens nicht den geringsten Ansatzpunkt, ein n.b. anzuzweifeln. Hier würde ich mir sogar durchaus eine härtere und konsequente aber bitte einheitliche „Gangart“ wünschen.

Wohin fährt der Zug?

Zuvor habe ich versucht aufzuzeigen, dass die ausschließliche Zucht mit einfarbigen Tieren und Chaplins nicht der Königsweg sein kann. Der langfristig erfolgreich orientierte Züchter muss einfach mit heterozygoten Typenschecken arbeiten und sollte durchaus bei Bedarf insbesondere zur Farbverstärkung schon mal ein einfarbiges Tier einsetzten. In einem in der Vitalität hervorragenden und Rassewert stark gefestigten Stamm ist auch durchaus der „100%-Versuch“ erlaubt. Alles bitte aber mit Augenmaß!

Zur Weiterentwicklung, oder sollte ich besser sagen zur langfristigen Sicherstellung der Ausstellungsmöglichkeit der Punktscheckenrassen, wurde auf der letzten Arbeitskreissitzung der deutschen Scheckenclubs u.a. auch beschlossen, nach wie vor der Zucht mit einfarbigen Tieren im Sinne der ZDRK-Empfehlung grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen und bei Bedarf die Standard-Fachkommission bei der Erarbeitung eines Standards zu unterstützen.

Bewusst habe ich in den beiden letzten Kapiteln bisher nicht erwähnt, dass längst nicht alle Typenschecken ausstellungsfähig sind und zwar ebenso wenig wie alle Silberkaninchen, Neuseeländer etc.. Insbesondere das Zeichnungsbild lässt von der Aufspaltung her ein nahezu unerschöpflich großes Fehlerpotential zu. Keine Zeichnung entspricht der anderen. Und doch: Wenn ich mir Fotos meiner besten Tiere vor 30 Jahren ansehe oder in alten Dokumenten blättere, sehe ich eine nahezu rasante Entwicklung im Rassewert bei allen Scheckenrassen. Betrachtet man dennoch selbst heute auf hohem Niveau unterschiedliche Zuchten, sieht man recht deutlich die eine oder andere Eigenschaft, die sich offensichtlich hier und dort zum Positiven oder aber auch Negativen gefestigt hat. Ein Züchter hat die Kopfzeichnung mit tiefliegenden und freistehenden Backenpunkten in seiner ganzen Linie gefestigt, ein anderer hat Aalstriche wie mit dem Pinsel gezogen und ein dritter hat stets die Seitenflecken etwas grob. Diese Beispiele ließen sich endlos fortsetzten, zeigen aber durchaus übliche Unterscheidungsmerkmale in gefestigten Zuchten und machen den besonderen Reiz der Scheckenrassen aus. Andererseits macht dies aber auch umso deutlicher, dass man mit der Einpaarung von fremden Tieren sehr vorsichtig sein sollte und gute Zuchttiere möglichst lange halten sollte. So behalte ich zum Beispiel bei nur 21 Ställen 7 bis 8 Alttiere und der älteste Rammler ist bereits 7 Jahre alt. Damit möchte ich auch deutlich machen, dass Scheckenzucht absolut nichts mit Lotterie zu tun hat, was durchaus der ein oder andere Zuchtfreund in einer Bierlaune einmal sagen darf. Ich glaube, dass versierte Scheckenzüchter ausreichend Gegenargumente haben. Schon geschichtlich betrachtet sind die Scheckenzüchter durch ihre „Überregionalen“ eine der eingeschworensten Gemeinschaften in der Rassekaninchenzucht, stellen sich aber andererseits leider manchmal durch Äußerungen und Handlungen des ein oder anderen Unbelehrbaren ins Abseits und müssen dann wieder mühevoll Reputation aufbauen. Keinesfalls züchten sie aber Kaninchen, um sie zu quälen. Sie lieben ihr Hobby im Sinne der Ausführungen unseres verehrten Züchterfreundes Arno Dietrich in der Kaninchenzeitung 11/2003.

"Ein Züchter wird seine Tiere hegen und pflegen und ihnen die bestmögliche Unterbringung, Haltung, Fütterung, Wasserversorgung und Hygiene angedeihen lassen. Er soll Freude an seinen vitalen Tieren haben - darunter versteht man aktiven Tierschutz."

Konkret für die Rheinischen Schecken kann die kürzlich ergangene Entscheidung des ZDRK, dass Rassen, die auf der „Roten Liste“ stehen, auf Bundesschauen von der Tierzahlbegrenzung auszuschließen und Sonderpreise zu vergeben, nur gelobt werden.


Eine weitere „Förderung“ könnte, wie es Arbeitskreisleiter Josef Steinack kürzlich formulierte, auch sein, dass sich die Clubs das Ziel setzten, jedes Jahr einen neuen Züchter der Rasse zu aktivierender und/oder dass versierte Züchter Patenschaften für „Anfänger“ übernehmen.

Als Geschäftsführer und Öffentlichkeitsreferent des Scheckenclubs Rheinland sage ich in Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Scheckenclubs und im Einvernehmen mit dem Landesverbandsvorsitzenden schon jetzt eine Werbemaßnahme für Rheinische Schecken auf der nächsten Landesverbandsschau im Rheinland zu. Nachahmung wird im Sinne einer alten, gefährdeten und mit fesselndem Reiz ausgestatteten Rasse sehr empfohlen!

W
erner Winkens

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© Walter Willems