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Termine

43. Überregionale Scheckenclub-vergleichsschau am 14./15.10.2017

Ausrichter Scheckenclub Rheinland Nassau

Gesamtkatalog
43. Überregionale
Scheckenclubvergleichs-
schau
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15. Dezember 2017

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Rassebeschreibung

Züchterstudie Kleinschecken von Walter Willems

 

 

Kleinschecken...



"Jeder Wurf ist wie Weihnachten!"

 

von Walter Willems, Vorsitzender Scheckenclub Rheinland

Im Rahmen der Landesverbandschulungstagungen wird in jedem Jahr eine Rasse besprochen. Da die Kleinschecken im Jahre 2006 einen runden „Geburtstag“ feierten und 30 Jahre im Standard sind, wurde ich gebeten, einen Vortrag über diese Rasse zu halten, die mich nunmehr auch immerhin schon 21 begleitet. Da ich von Beginn an Mitglied im Scheckenclub Rheinland bin und in jenen Jahren fast alle Scheckenclubvergleichsschauen und Bundesschauen besucht und meist auch beschickt habe, glaube ich, mir ein Bild von der Rasse machen zu können. In meinem Bericht setzte ich in erster Linie auf Fotos, um gewisse Merkmale besser hervorheben können. Da ich einige Bilder vergangenen Sommer machte, sind vielfach Jungtiere zu sehen, die aber dennoch die zu beschreibenden Eigenschaften und Merkmale charakterisieren. Ergänzt wurden diese Fotos durch Aufnahmen meines Clubkameraden Werner Winkens.



 

Der Autor bei seinem Vortrag über Kleinschecken anlässlich der Landesverbands-Schulungstagung im Rheinland.

 

  

 

 

Entstehungsgeschichte und Verbreitung

Vor rund 35 Jahren setzte sich Arnold Hirt aus Dauchingen das Ziel, den Freunden der Deutschen Riesenschecken, die wegen geringer Platzverhältnisse und auch kleinerem Futterbedarf diese Rasse nicht halten konnten, eine Rasse anzubieten, die den Zeichnungsmerkmalen der Deutschen Riesenschecken entsprach. Hirt begann 1972 mit zwei verschiedenen Linien aus Kreuzungen von Deutschen Riesenschecken mit Englischen Schecken. Die ersten Tiere hatten einen langen, schmalen Rumpf, einen ebensolchen Kopf und reichlich lange Ohren. Bei der Rumpfzeichnung dominierte die aufgelockerte Kettenzeichnung. Nun verpaarte Hirt die bestgezeichneten Tiere einer Linie mit den besten Körperformtieren der zweiten Linie. Die Zeichnungen wurden besser, nicht aber die Körperform und die Größe. Mutig stellte Hirt 1974 zur Bundesschau in Stuttgart 4 Tiere bei den Neuzüchtungen aus. Die neue kleine Rasse mit Riesengeruch wurde vielfach abgelehnt oder zumindest belächelt. Ich selbst sah diese Neuzüchtung, als 13-jähriger zum ersten Male und kann mich noch erinnern, dass diese Tiere mir zu lang und dünn erschienen. Auch Dieter Rapp aus Deißlingen war von der Rasse so angetan, dass er mit Hirt eine Züchtergemeinschaft gründete und 1976 auf der württembergischen Landesschau 7 deutlich verbesserte Tiere ausstellte. Beide wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es bereits seit Jahrzehnten eine Kleinschecke des gleichen Zuschnitts gab, nämlich die Tschechische Schecke. Mit Hilfe importierter Tiere und eigenen Tieren gelang in den folgenden Jahren der Durchbruch. So konnten schon 1978 auf der Bundesschau 45 Kleinschecken in schwarz/weiß und 4 in blau/weiß ausgestellt werden. Auf der letzten Bundesschau waren 125 und auf der 33. Scheckenclub-Vergleichsschau 352 Exemplare zu sehen. Auch die Zuchttierbestands-erfassung 2004 weist nach, dass die Rasse mit einer Jungtierzahl von über 7000 im gesamten Verbandsgebiet recht verbreitet ist, die Riesenschecken, Englischen Schecken und Rheinischen Schecken aber beliebter sind.

 

 

Diese im Rassewert vorzügliche Häsin (feiner Augenring, tief liegender Backenpunkt, freistehende Seitenflecke und intensive Farbe) konnte auf der Landesschau 2007 im Rheinland auch unter Einbeziehung der damals neuen Rassebilder mit Musterbeschreibung durchaus ein vorzügliches Bild abgeben.

 

 

Körperform, Typ und Bau

Der Standard sieht im Gegensatz zu den anderen Scheckenrassen einen ausdrücklich
gedrungenen und walzenförmigen Körper vor.
Für mich wäre der ideale Kleinschecke ein Tier, das den Proportionen des Weißen Neuseeländer nahe kommt. Die ebenmäßig geforderte Rückenlinie bedeutet für mich, dass der Rücken und vor allem die Schulter-partie so gerade und breit sein soll, dass man ein Glas absetzen könnte, ohne dass es nach rechts oder links fällt. Dieses Zuchtziel einschließlich der guten Beckenabrundung ist in manchen Zuchten bereits vorhanden und sollte auf keinen Fall den schlanken, feingliedrigen Tieren mit extrem runden Becken, aber nach vorne verjüngtem Körper geopfert werden. Die verjüngten Tiere neigen auch recht häufig dazu, abstehende Schenkel zu haben. Um die Breite richtig beurteilen zu können, sollte man das Tier auch einmal von oben anschauen und die Beurteilung der Pos. 2 nicht nur von einer Handbewegung übers Becken abhängig machen. In der Konsequenz müssen Kleinschecken natürlich auch einen kurzen, kräftigen und dicht am Köper angesetzten Kopf haben. Kräftige Backen und eine gute Schnauzpartie sind vor allem für einen guten Rammler unerlässlich. Wie bei vielen Rassen gilt es, die Ohrstruktur noch deutlich zu verbessern. Passend zum gedrungenen Körper müssen die Ohren fest im Gewebe, schön abgerundet und recht kurz sein. Vor allem der kräftige und breite Ansatz am Kopf und die offene Ohrmuschel bewirkt bei der Rasse ein harmonisches Bild. Faltige Ohren mit dünner Struktur kommen häufig bei feingliedrigen Tieren vor. Dem Tier sollte man bei der Bewertung auch Zeit geben, seine Ohren wieder zu entspannen. Oft sitzen die Tiere nur im ersten Moment etwas verängstigt auf dem Richtertisch und zeigen sich wenige Augenblicke später von ihrer besseren Seite. Ebenfalls erst dann können auch die mittellang und kräftig erwünschten Läufe beurteilt werden. Sie müssen in Einklang mit dem gedrungene Körper stehen, was wiederum auch bedeutet, dass die Stellung nicht zu hoch sein sollte. Bezüglich deren Haltung und Länge gibt es züchterisch keine nennenswerten Probleme. Wie eigentlich bei allen Rassen sind die Häsinnen im Ganzen etwas feiner gebaut. Obwohl bei älteren Häsinnen ein Wammenansatz zulässig ist, sieht man solche Tiere nur sehr selten auf Ausstellungen. Auch „loses Brustfell“ wird vergleichsweise zu manch anderen Rassen eher selten beobachtet. Ausgenommen hiervon sind gelegentlich Höchstgewichtshäsinnen, die auch schon mal einige hundert Gramm „Gewicht machen“ mussten, um das Höchstgewicht nicht zu überschreiten. Gerade solche Häsinnen werden aber auch gerne zur Zucht eingesetzt.

 

 

Gewicht

Mit einem Normalgewicht von über 3 kg, einem Mindestgewicht von 2,25 kg und einem Höchstgewicht von 3,75 kg zählen die Kleinschecken zu den größten Kleinrassen.

Die Gewichte klaffen nach meiner Erfahrung auf den Ausstellungen ziemlich auseinander. Man sieht doch häufig Tiere, die im Februar geboren sind, aber mal gerade 3.060 g erreichen und andere, die bereits nach 5 Monaten das Höchstgewicht von 3750 g erreicht haben. Meistens sind die leichten Tiere auch im ganzen Körperbau feingliedriger und erinnern eher an Englische Schecken. Vor allem die Häsinnen haben relativ spitze Köpfe und faltige, dünne Ohrstrukturen. Das Idealgewicht liegt nach meiner Erfahrung bei 3,5 kg. Dann kann auch der gewünschte Rassetyp bestens gezeigt werden.

 

Ein Kleinschecken-Rammler, der wohl allen Ansprüchen in Pos. 2 entspricht: gedrungen, walzenförmig, gute Rückenlinie mit feiner Beckenrundung, markantem Kopf, gute Ohrstrukturen und wirklich tollen Läufen. So ein Tier „muss“ man einfach mit 19,5 bewerten.

 

Das Fellhaar

Das Fell ist dicht, fein und gleichmäßig, sowie nicht zu lang begrannt. Da hinsichtlich
der Deckhaarlänge keine rassespezifische Aussage getroffen wurde gilt der Grundsatz, dass die Länge mit der Körpermasse in direktem Zusammenhang stehen muss. Tendenziell haben Kleinschecken eher etwas zu langes Deckhaar und auch die Dichte wird zurecht manchmal kritisiert. Die Forderung nach der feinen und vor allem nicht zu langen Begrannung ist für eine Zeichnungsrasse und gerade für Punktschecken geradezu zwingend zu beachten, denn lange Grannen würden die Zeichnungsmerkmale überdecken und verschwommen erscheinen lassen. Dies gilt im Übrigen natürlich in erster Linie für die Englischen Schecken mit ihrer feinen Punktierung. Aber auch bei den anderen Scheckenrassen kommen die Zeichnungs-merkmale bei kurzer Begrannung einfach besser zur Geltung und erscheinen schärfer abgegrenzt. Ferner beeinflusst das Grannenhaar maßgeblich den farblichen Gesamteindruck. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Kopf- und Rumpfzeichnung im Rahmen des Schaufertigmachens mit der Pinzette positiv beeinflusst werden können. Übertreibungen führen dazu, dass entlang des Aalstriches und auch auf den Seitenflecken kaum übergreifende Grannen feststellbar sind und zwangsläufig mit Abzügen in Pos. 3 geahndet werden.

 

Kopfzeichnung

Die Rassemerkmale der Schecken beginnen mit der Kopfzeichnung, an die der Standard für alle Scheckenrassen die gleichen Forderungen stellt. Sie besteht aus dem Schmetterling, den Augenringen, den Backenpunkten und der Ohrzeichnung. Obwohl das Fehlerpotential erheblich ist, kann man durchaus feststellen, dass gute durchgezüchtete Stämme so gefestigt sind, dass schwere Fehler in diesem Rassemerkmal kaum noch auftreten

 

Dieser havanna-weiße Rammler zeigt Kopf- und Ohrstrukturen, wie man sie nur sehr sehr selten sieht

 

Das Bild macht deutlich, dass die Häsinnen insgesamt etwas feiner gebaut sind. Auch dieses Tier zeigt ideale Ohrstrukturen, allerdings ist der Augenring etwas ungleichmäßig (gezackt). 

Als schwere Fehler werden unvollständiger Schmetterling, fehlender Dorn, große Zacken in den Schmetterlingsflügeln, gänzlich fehlende seitliche Unterkiefereinfassung, am Unterkiefer geschlossene Einfassung, ein- oder beidseitig anhängender Backenpunkt, nicht geschlossener Augenring, und Zusammenhängen von Augenringen mit dem Schmetterling oder der Ohrenzeichnung beschrieben. Auf der anderen Seite ist die Aufsummierung der leichten Fehler im Standard viel geringer. Die Beschreibungen sind allerdings so allgemein gehalten, dass der Ermessensspielraum für den Richter geradezu riesig ist, wenn in diesem oder jenem Fall von einem unschönem Dorn, ungleichmäßigen oder groben Augenringen oder unreinem Ohrenansatz gesprochen wird. Während gezackte Schmetterlinge eher selten auftreten, sind unreine Köpfe, die wir als Spritzer bezeichnen, häufiger. Hier gibt es auch kaum Ermessen. „Ein Spritzer“ ist eben ein Spritzer! Aber dann kommt die entscheidende Frage: Was ziehe ich für einen leichten Fehler ab, wenn es doch bei allen Zeichnungstieren eine Fülle von Fehlermöglichkeiten gibt! Oft sieht man die Bemerkung „Spritzer“ .....13,5 Pkt. Persönlich halte ich dies nicht für angemessen und 1 Pkt. Abzug sollte pro leichten Fehler durchaus reichen.
Kritisch gibt es die perfekte, vollendete Zeichnung nur in sehr sehr seltenen
Fällen und das noch so schöne Tier könnte den Augenring etwas schmaler haben,
die Entfernung zwischen Augenring und Backenpunkt etwas größer oder vor allem
den Schmetterling mit volleren Flügeln oder den Dorn etwas größer haben,
...oder ...oder! Zieht man dann hierfür auch noch etwas ab, ist kein Schecke mehr mit anderen Rassen konkurrenzfähig. Einige Anmerkungen möchte ich noch zum
„unreinen Ohrenansatz“ machen. Ein Ohrenansatz ist „rein“, wenn der Übergang
zwischen Grundfarbe und Zeichnungsfarbe ohne nennenswerte Übergänge ist. Das
Wort des „scharfen Übergangs“ sollte man nicht mehr verwenden. Zweifellos gibt
es recht häufig unreine Übergänge und beim Schaufertigmachen kann man mit der
Pinzette den Ansatz verbessern und „begradigen“. Es gibt aber auch vor allem an
den seitlichen Ohrwurzeln Ausläufer, so genannte Flammen. Man kann hier mit
Schaufertigmachen nur wenig erreichen. Dies ist auch gut so, denn diese Flammen
müssen züchterisch konsequent bekämpft werden, weil diese sich auch hartnäckig
vererben. Ich kann nur jedem raten, Tiere mit Flammen nicht zur Zucht einzusetzen.
Last but not least gibt es aber auch einen „unreinen Ohrenansatz“, den der erfahrene Richter tolerieren sollte. Ich spreche hierbei vom so genannten Stirnbüschel, der vielleicht bei den Englischen Schecken deutlich ausgeprägter ist als bei den Kleinschecken und Riesenschecken. Fast jedes Tier zeigt diesen, offensichtlich genetisch bedingten, Büschel und Forderungen nach einer schnurgeraden Kappe fördern nur übertriebenes Schaufertigmachen.

Das vielleicht schwierigste und vor allem komplexeste Rassemerkmal ist jedoch der Schmetterling, der gut ausgeprägt sein soll. Nur was heißt das? Ich möchte dabei eine Formulierung übernehmen, die ich in einem Rassebeitrag von Werner Winkens über Englische Schecken las: „Man sollte sich bildlich das Insekt mit ausgeklappten Flügeln vorstellen. Hier wird deutlich das die Flügel nach oben über den Rumpf des Insektes hinausgehen und dann geschwungen beidseitig weiter laufen, um beim Kaninchen schließlich den Unterkiefer einzufassen.“ Häufig sieht man Flügel die vom Dorn aus rechts und links gerade (waagerecht) verlaufen und nicht geschwungen nach oben gehen.

 

 

Diese Kleinschecke zeigt im Profil eine nahezu ideale Kopfzeichnung mit gleichmäßig breitem Augenring, einem nicht nur freistehenden, sondern auch weit vom Augenring entfernt liegenden Backenpunkt und einen sauberen Ohrenansatz.

 

Einen weiteren Teil der Kopfzeichnung sehen wir auch hier mit dem sehr gut ausgeprägten Schmetterling, der aus dem schön abgerundeten Dorn und vollen Flügeln besteht.

 

Während auf diesem Bild die Flügel des Schmetterlings gut ausgeprägt sind, sehen wir einen unschönen in der Mitte gezackten Dorn.

Wie schon oben ausgeführt, sieht man den im Standard beschriebenen gezackten Schmetterling eher selten. Dafür gibt es aber recht häufig leichte Fehler am Dorn, der
schön abgerundet sein sollte. Zur Größe ist zwar nichts ausgeführt. Er sollte nach meiner Auffassung harmonisch in die Kopfzeichnung passen und durchaus etwa 1 cm lang sein. Tendenziell sieht man eher den etwas zu kurzen Dorn, der „im Flügel fast verschwindet“. Auch die Anmerkung, dass es nach dem Standard keine „unschöne Unterkiefereinfassung gibt“ muss immer wiederholt werden. Der Unterkiefer ist eingefasst oder nicht. Einseitige Einfassung ist ein leichter Fehler. Die fehlende oder gar geschlossenen Unterkiefereinfassung, die auch gelegentlich vorkommt, führt zum Ausschluss.

Den „letzten Rest“ des Schmetterlings erkennt der Richter bestens im Zusammenhang mit der Kontrolle des Geschlechtes, nämlich dann, wenn er das Tier auf den Rücken dreht. Der Unterkiefer soll beidseitig eingefasst sein. Einseitige Einfassung stellt einen leichten Fehler dar! Der Standard unterscheidet nicht nach leicht oder stark eingefasst, ein nicht zulässiger Kritikpunkt, den man hin und wieder auf Bewertungsurkunden findet.

Der Backenpunkt darf sowohl rund als auch oval sein. Von großer Wichtigkeit ist jedoch die (deutliche) Entfernung vom Augenring. Viele Kleinschecken zeigen noch etwas grobe Augenringe und zwangsläufig liegt dann auch der Backenpunkt recht nahe. In der Regel haben die Tiere mit den groben Augenringen auch etwas grobe Seitenflecken, sind jedoch oft die besseren Farbträger. Der kleine Zacken am oberen Augenring ist zwar in vielen Zuchten weggezüchtet, stellt aber keinen Fehler dar.

 

 

Das Tier zeigt einen etwas großen Augenring mit einem kleinen Ausläufer und schon recht nahliegendem Backenpunkt.

 

Bei diesem Jungtier ist zwar der Augenring schmal und auch der Backenpunkt ideal,. Ein großer Ausläufer am Augenring mindert allerdings den Ausstellungswert.

Die züchterische Praxis zeigt, dass Tiere mit dieser kleinen Zacke oft leichtere und feinere Zeichnungsmerkmale aufweisen. Nun, das waren sie, die Merkmale der ersten Position im Rassewert, die wie schon eingangs gesagt züchterisch deutlich leichter nahe dem Ideal zu erzüchten ist als die Werte der Position 5.

 

 

Rumpfzeichnung

In der Rumpfzeichnung gibt es „nur“ zwei Merkmale, nämlich den Aalstrich und die Seitenzeichnung. Sie ist aber wohl die Position,  die am ehesten ins Auge springt. Keinesfalls sollte man jedoch den Zuchtwert eines Tieres an der Seitenzeichnung festmachen. Sie ist im Gegensatz zu allen anderen Position genetisch am wenigsten gefestigt. Beginnen wir mit dem Aalstrich. Er verläuft glatt und gleichmäßig breit vom Genick bis zur Blumenspitze. Tiere mit etwas grober Kopf- und Seitenzeichnung haben in der Regel einen etwas breiteren Aalstrich, den ich auch unbedingt bevorzuge. Etwas
leichter gezeichnete Tiere zeigen einen schmaleren Aalstrich. Im Standard ist eine Breite von 2 cm beschrieben, die auch durchaus zu unterstützen ist. Sehr wichtig ist der Übergang vom Genick in den eigentlichen Aalstrich. Ist er nur sehr schmal oder gar unterbrochen, sind die Tiere züchterisch kaum brauchbar. Ein ausgeprägter Nackenkeil ist hingegen Garant für einen breiten Aalstich und in der Regel auch für gute Farbe. Wichtig ist auch, dass der Aalstrich im Bereich des Beckens und im Bereich zum Überbang auf die Blume nicht schmaler wird. Gute Tiere haben eine komplett schwarze Blumenoberseite und allenfalls eine sehr schmale weiße Umsäumung. Das wichtigste Merkmal eines guten Aalstriches ist jedoch die Gleichmäßigkeit (ohne Ausläufer). Er sollte wie ein Pinselstrich gezogen sein. Recht häufig sieht man Aalstrich, die einer Fischgräte ähneln. Derartige Aalstriche sind ebenso leicht fehlerhaft wie breite oder schmale. Auch die Unterbrechung des Aalstriches vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter oder vom Ansatz der Blume bis zur hochgezognen Blume stellt nur einen leichter Fehler dar.

 

Bei der Draufsicht erkennt man hier den relativ schmalen Bau und die etwas abstehenden Hinterschenkel, allerdings auch den ausgeprägten Nackenkeil und von Beginn an gleichmäßig breiten Aalstrich, der allerdings etwas gezackt ist.

Was ich züchterisch gerade von diesen Fehlern halte, habe ich zuvor eindeutige beschrieben. Als ein schwerer Fehler des Aalstriches wird die deutliche Unterbrechung zwischen Schulterblättern und hochgelegter Blumenspitze angeführt.

Daneben gibt es noch einen leichten und schweren Fehler in Kombination der beiden Merkmale der Rumpfzeichnung. Hin und wieder kommt es nämlich vor, dass am Aalstrich die Rumpfzeichnung anhängt. Je nach Grad des Zusammenhängens wird
dies als leichter oder schwerer Fehler eingestuft. Kommen wir nun zum größten
Problem der Scheckenzucht schlechthin, der Seitenzeichnung. Die Standardausführungen ist relativ kurz und auch recht eindeutig: „ Die Seitenzeichnung besteht aus einzelnen freistehenden, nicht zu großen Flecken von etwa 2 cm Durchmesser. Sie sollen auf beiden Seiten auf den Flanken und Schenkeln gleichmäßig verteilt sein. Auf jeder Seite werden 5-7 Seitenflecken gewünscht.

 

Hier sind die Punkte zwar teilweise freistehend und teilweise auch in der richtigen Größe, jedoch viel zu weit nach vorne gezogen, so dass der Schenkel frei wirkt

 

Auch bei diesem Tier ist die Anordnung der Punkte nicht ideal. Der Schenkel wirkt rechts und links von den Punkten eingegrenzt.

Die Größe der Seitenflecken halte ich mit der angegebenen Größe von ca. 2 cm für richtig gewählt. Sie ist passend zum Größenrahmen der Kleinschecken. In der Konsequenz erscheint mir dann auch die angegebene Größe von ca. 3 cm bei den  Riesenschecken als richtig, während bei den Zwergschecken die Standardforderung  völlige „daneben liegt.“ Hier wird von nicht zu großen Flecken von 2 bis 3 cm Durchmesser gesprochen. Man stelle sich nur ein Zwergkaninchen mit 7 Seitenflecken von knapp 3 cm Durchmesser vor. Das Ergebnis wäre eine Mantelzeichnung, die noch über den Schenkel hinausgehen würde! Hier bedarf es einer Korrektur, die züchterisch aufgrund der rasanten Entwicklung dieser Rasse in den letzten zwei/drei Jahren jedoch auch schon längst vollzogen ist. In der züchterischen Praxis sind auch die geforderten 5 bis 7 Punkte einigermaßen häufig umsetzbar. Die Schwierigkeit bei der idealen Seitenzeichnung liegt zweifelsohne darin, dass die Punkte auf der Flanke und dem Schenkel gleichmäßig verteilt sein sollen. (Man strecke ein Hand aus und an jeder Fingerkuppe sollte eine Seitenfleck sein. Diese stellen den äußeren Rahmen dar. Die restlichen Flecken liegen dann im Bereich der Handfläche -auf der Mitte des Schenkels-)

 

Kleine und gut verteilte 5 Flecken auf dem Schenkel, die nicht zum Aalstrich hin tendieren und auch nicht zu weit zu den Flanken hin reichen.

 

 

Hier sind die Punkte zwar recht freistehend und auch die Größe stimmt. Die Punkte sind jedoch nur auf  einem Teil des Schenkels platziert.

 

Das Gegenstück zu vorherigen Bild. Volle, teilweise zusammenhängende Seitenzeichnung

 

 

Die Junghäsin zeigt im Nesthaar noch „verwaschene“ Abzeichen mit guter Verteilung und unklaren Konturen, die sich später auflösen.
Davon zu unterscheiden sind Durchsetzungen – insbesondere an den Ohrenrändern –.
Von einem Zuchteinsatz solcher Tiere kann nur abgeraten werden.

 

Den Wandel der Häsin (vom vorherigen Bild) nach der Haarung und in der Blüte auf der 54. Landesverbandsschau Rheinland zur Siegerhäsin ist natürlich in dieser Vollendung nur mit guter Pflege mit einem – nicht zu übertreibenden – Schaufertigmachen möglich.

Eine solche Zeichnung (und dazu auch noch so ein Typ) ist wie ein 6er im Lotto.
Das Tier zeigt die gewünschten 5-7 ca. 2 cm
großen und dazu noch freistehenden Seitenflecken. Klar, dass diese theoretische Vorstellung fast nie umsetzbar ist....
und es gibt ja auch noch zwei Schenkel und 2 Flanken! Beide Seiten sollten gleich sein. Zum Glück lässt der Standard einen Spielraum und so sollte man zunächst anstreben, dass die Zeichnung auf den bevorzugten Bereich begrenzt ist und beide Seiten etwa von ähnlicher Zeichnungsstruktur sind. Es bringt nämlich nichts, wenn eine Seite ideal ist und auf der anderen Seite nur zwei Punkte stehen. Dies stellt einen schweren Fehler dar, wie auch das starke Zusammenhängen der Seitenzeichnung mit dem Aalstrich und Sattel- oder Mantelzeichnung. In der Praxis werden solche Tiere aber kaum ausgestellt, so dass sich das Fehlerpotential bei den Bewertungsurkunden auf den Ausstellungen in der Regel auf leichte Fehler bezieht, die aufgrund der o.a. Ausführungen nahezu unbegrenzt sind. Vereinzelt sieht man auch noch von den Englischen Schecken her rührende Kettenpunkte. Dabei ist wichtig, dass bei der Bewertung ein Kettenpunkt unberücksichtigt bleibt und erst die „Anlage zur Kettenzeichnung“ mit mehr als einem freistehenden Kettenpunkt auf einer Körperseite oder beidseitig ein leichter Fehler ist. Mehr als zwei freistehende Kettenpunkte
auf einer Seite führen zum Ausschluss. Man darf diese Kettenpunkte jedoch nicht mit den so genannten Genickpunkten, die im Übergangsbereich zwischen Genick und Aalstrich stehen können, vergleichen. Wenn sie weniger als 2 cm vom Aalstrich entfernt stehen, gelten sie nicht als Kettenpunkte. Auch mit den etwa vorhandenen Flecken an Brust, Bauch, Läufen oder an der Unterseite der Blume dürfen Kettenpunkte nicht verwechselt werden. Solche Flecke sind zweifelsohne optisch nicht schön, bleiben jedoch unberücksichtigt. Ja, das war sie, die Seitenzeichnung, die „schlicht und einfach“ mit 5-7 freistehenden Flecken gewünscht wird, wahrscheinlich aber ewig die züchterische Herausforderung schlechthin bleiben wird. Beim Lesen dieser Zeilen wird jeder verstehen, warum in Scheckenzüchterkreisen die Aussage gilt:
                          „Jeder Wurf ist wie Weihnachten!“ 



 

Farbe

Bei den Kleinschecken sind die Farbenschläge schwarz-weiß, blau-weiß und havanna-weiß anerkannt. Wir unterscheiden zwischen  der Grundfarbe und der Zeichnungsfarbe. Die Grundfarbe wird rein weiß  geforderte und soll einen guten Glanz haben. Von diesem reinen weiß darf sich auch nicht die Unterfarbe unterscheiden. Nur so kann der maximale Kontrast zur Zeichnungsfarbe hergestellt werden. Auch die anerkannten Zeichnungsfarben in schwarz, blau oder havannafarbig sind rein und nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt. Damit ist schon das größte Farbproblem in der Scheckenzucht angesprochen. Mit weißen Haaren durchsetzte Zeichnungsfarbe sieht man erster Linie an den Ohrenrändern und auf der Blumenoberseite. Natürlich sind diese Durchsetzungen im schwarz-weißen Farbenschlag besser zu erkennen und je nach Lichtverhältnissen ist es für den Richter nahezu unmöglich, Durchsetzungen im Ohrenrand bei den andersfarbigen Tieren zu erkennen. Dennoch sei jenen Züchtern geraten, absolut konsequent zu verfahren und hier keine Kompromisse einzugehen, auch wenn auf den Bewertungsurkunden keine negative Bemerkung steht. Züchterisch ist es sehr schwierig und langwierig, Durchsetzungen auszumerzen. Oftmals sieht man bei den Scheckenrassen kleine weiße Flecke im Genick oder im Aalstrich vom Genick bis zum Ende der Schulterblätter und weniger im Bereich der Blume bis zur hochgelegten Blumenspitze. Gerade bei den Englischen Schecken ist dies sehr verständlich, denn irgendwo muss ja die Kettenzeichnung beginnen und dies ist ja nur durch einen Übergang zwischen schwarz/weiß möglich. Solche Flecke bleiben bei der Bewertung unberücksichtigt. Anders ist dies bei kleinen Büscheln/Flecken in den Augenringen im Bereich des Augenringzackens oder in den Seitenzeichnungspunkten. Sie stellen einen leichten Fehler dar, während weiße Flecken im Augenring (außer im Bereich der Augenringzacke), in der Ohrenfarbe und im Aalstrich (Ausnahme Schulterblätter und Blume) schwere Fehler sind. Strittig ist manchmal auch der Lippenspalt, weil der Unterschied zwischen fleischfarbigem Lippenspalt (leichter Fehler) und einem weißen Lippenspalt (schwerer Fehler) insbesondere bei den havannafarbigen Kleinschecken und thüringer- und dreifarbigen Englischen Schecken wegen des fehlenden Kontrastes schwierig ist. Zuletzt möchte ich noch ein Farbproblem ansprechen, das es in erster Linie bei den Deutschen Riesenschecken und den Kleinschecken gibt. Gelegentlich werden in den Rassen Tiere der einzelnen Farbenschläge miteinander verpaart. Dass dies nicht zulässig ist und dabei vorkommende „zweierlei Zeichnungsfarbe“ zum Ausschluss führt, sollte bekannt sein. Dass dabei aber auch die Augenfarbe „verschmelzen“ kann, wird kaum beachtet. Hier gibt es klare Standardvorgaben: Bei den schwarz-weißen Tieren sind die Augen braun, bei den havannafarbig-weißen Tieren braun, leicht durchscheinend und bei blau-weißen Tieren blaugrau. Die Krallen sind bei allen Farbenschlägen aller Scheckenrassen pigmentlos (weiß).

 

 

Der Zuchtstand

Die Scheckerassen zählen zweifellos zu den Rassen, die aufgrund ihrer Farbenvielfalt, des Farbkontrastes und ihrer „Buntheit“ gerade Laien auf unseren Schauen begeistern. Auch die Züchter, die sich einmal von der Rasse haben begeistern lassen, bleiben ihr oft ein Leben lang treu. Vielleicht ist dies auch der Grund dafür, dass es jenen „eingefleischten Züchtern“ gerade im letzten Jahrzehnt gelungen ist, die Rassen geradezu explosionsartig zu verbessern. Das Niveau ist heute so hoch, dass auf allen großen Schauen Scheckenrassen auf der ersten Seite der Siegerlisten stehen und auch vom Punkteniveau anderen Rassen vollkommen ebenwürdig sind. Dazu trägt sicherlich auch das geschulte und sensibilisiert Fingerspitzengefühl der Richter auf Großschauen bei. Dabei sind die Kleinschecken ebenso integriert wie auch alle anderen Scheckenrassen. Garant für diese Entwicklung war nach meiner Erkenntnis zweifelsohne die „Verschworenheit“ und Kameradschaft der Scheckenzüchter untereinander. Spiegelbild dieser Geschlossenheit und auch Stärke sind die jährlich stattfindenden Überregionalen Scheckenclubschauen. Die Schau jährt sich im Herbst bereits zum 33. Male und ist damit Vorreiter aller vergleichbarer Schauen, die von den Spezialzuchtvereinigungen mittlerweile auf ZDRK-Ebene durchgeführt werden. In diesem Jahr findet sie vom 17. bis 19.Oktober 2010 in Bremerhaven statt und ist ein „Muss“ für alle Scheckenzüchter und vielleicht auch für die, die sich durch meinen Beitrag inspiriert fühlen!?

Walter Willems

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